Allgemein, Kinder/Toddlers, Umwelt

Das Paradoxon des Glücks in der Vergangenheit

Als New-Comer Bloggerin ist man anfangs höchst motiviert. Schon viele Tage im voraus überlege ich mir diverse Themen die vielleicht gut zu meinem Blog passen würde. Und für den Montags-Blog (der ursprünglich ein Samstags, dann Sonntags und jetzt halt Montags-Blog ist) hatte ich auch schon einige Themen im Kopf. Doch eine unscheinbare Szene am Samstag Abend brachte mich dazu diesen Blog dem Paradoxon des Glücks in der Vergangenheit zu widmen. Wie kam es dazu?

Mein Freund hatte sein freies Wochenende und so war der vergangene Samstag mit Familien-Aktivitäten durchgeplant. Es war ein toller Tag. Sehr glücklich und erschöpft fuhren wir zu viert am frühen Abend mit der U-Bahn nach Hause.
Und ein banaler Alltagsmoment hat mich auf einmal sehr wehmütig und nachdenklich werden lassen:
Ein junges Mädchen, vielleicht Mitte 20, hübsch hergerichtet, ein wenig Make Up, sass direkt vor mir in der U-Bahn. In ihr Handy schauend, lächelnd. Und plötzlich wurde mir schmerzlich bewusst, dass es Samstag Abend war und vor einigen Jahren, war einfach Samstag Abend immer DER Abend auf den man sich die ganze Woche gefreut hat.
Ganz ehrlich: Als Karenzmama finde ich Samstage nicht ganz so toll (kein Kindergarten) und Sonntag noch weniger toll (kein Kindergarten, kein Supermarkt!).

Zurück zu dem Mädchen in der U-Bahn:
Ohne sie zu kennen, steckte für mich soviel Bekanntes in diese Szene. Das Mädchen ist auf den Weg zu ihren Freundinnen. Sie werden bei Einer der Freundinnen noch vorglühen, bevor sie in den Club gehen. Gerade eben hat ihr eine flüchtige Bekanntschaft geschrieben. Ein Freund? Vielleicht in Zukunft. Vielleicht auch nicht.
Sie freut sich auf die Nacht. Aufs Tanzen. Aufs Feiern. Leute kennenlernen. Lachen. Trinken. Todmüde um 4 Uhr früh ins Bettfallen und ausschlafen. (AUSSCHLAFEN!!!)

Und all dies war eine schmerzliche Erinnerung an mein altes ICH. Als ich nur für mich verantwortlich war. Als ich meine Zeit am Wochenende frei gestalten konnte.
Wenn ich wollte konnte ich den ganzen Tag im Pyjama vor dem Fernseher sitzen und Chips essen (fast nie gemacht) . Oder einfach spontan shoppen gehen (oft gemacht) und zwischendurch mit einer Freundin in einem Café treffen.  Und die einzige Person die Chaos und Dreck verursachte war ich selbst.
Ob mich damals mit 25, auch Mütter angesehen haben und an ihr altes ICH gedacht haben? Ob auch mich damals neidvolle Blicke getroffen haben? Ich hätte es nie gemerkt. Doch in diesem Augenblick in der U-Bahn, da beneidete ich das junge Mädel und mein 25jähriges ICH.
Und dann war ich gleichzeitig auch sauer.
Denn das Paradoxe an meinen Leben (oder vielleicht auch in dem von uns allen) ist, dass ich  damals nicht glücklich war. Also ich war auch nicht todunglücklich oder musste meinen Kummer mit Alkohol runterspülen ( getrunken hab ich trotzdem gern, nur halt nicht aus Kummer). Egal – richtig rundum glücklich und sorglos war ich nicht – trotz all der Freiheiten. Mir standen alle Türen offen, ich hatte keine Verpflichtungen, alles war möglich. Aber damals war genau DAS das Problem.
All diese Vorzüge dieses jungen Single-Darseins konnte ich nicht schätzen, denn damals dachte ich (leider) noch, dass für mein vollkommenes Glück einfach Mr. Right bei mir sein muss.   Ich wollte damals nicht alleine sein. Ich wollte nicht Frösche küssen, sondern immer nur den Prinzen. Und anstatt, dass mein dummes dummes 25 jähriges ICH voll entspannt diese unvergessliche Singlezeit in vollen Zügen genossen hätte, habe ich immer etwas vermisst.

Und so ist an diesem Samstag Abend auch gewesen, nur umgekehrt. Ich vermisste nun die Zeit des Alleinseins. Nicht weil ich meine Familie nicht mag oder lieber alleine wäre. Aber in diesem Moment vermisste ich das Lebensgefühl von damals … die Unbeschwertheit des Seins.

Mir hilft aber der Gedanke, dass sich mein 45 jähriges ICH, wenn es an diese Zeit die wir jetzt gerade durchleben zurückdenkt, folgendes denken wird: „Das war so eine wunderschöne Zeit. Ja es war anstrengend. Ja wir waren ständig müde. Aber die Kinder waren damals so zuckersüß. Ihr Lachen. Ihre Errungenschaften. All die Mühen war es einfach wert“.
Denn eines ist mir natürlich sehr wohl bewusst – auch dieses Zeit wird rückblickend viel zu schnell vergehen und irgendwann werde ich vielleicht eine abgehetzte, müde Mutter in der U-Bahn sehen und wehmütig an diese Zeit denken.

Und wie schön sie eigentlich ist.
In diesem Sinne, enjoy it
Euer Fräulein Wien

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