Allgemein, Kinder/Toddlers

Elektronische Medien im Kinderzimmer

Genauso hatte der Titel des Vortrags im Kindergarten geheißen.
„Elektronische Medien im Kinderzimmer – Schatz da müssen wir hin“ habe ich zu Mr. D gesagt. „Wir müssen unbedingt wissen, wieviel Fernsehen, Internet und Handy noch OKAY ist“.
Mit dieser Erwartungshaltung sind wir also in den Vortrag – mit ungefähr 10 anderen Eltern aus dem Kindergarten. Ich habe mich zwar noch gewundert, warum wir so eine überschaubare Runde sind, habe mir dann aber imaginär sogar auf die Schulter geklopft wie verantwortungsbewusst wir doch sind. Denn, die nicht anwesenden Eltern scheinen dieses Thema nicht soooo wichtig zu nehmen. Wir aber schon.

Zu diesem Zeitpunkt war Emily gerade mal 2 Jahre.
Jetzt muss man dazu auch wissen, dass Mr. D und ich ein Abkommen haben, seitdem Emily auf der Welt ist. Es ist ein sehr einfaches Abkommen: Kein Fernsehen, wenn das Kind wach ist. Und so einfach das klingt- so verdammt schwer war es am Anfang.

Bis zum Zeitpunkt der Familienerweiterung wurde der Fernseher beim Betreten der Wohnung eingeschaltet und erst beim Schlafengehen wieder ausgeschalten. Bei uns lief der Fernseher fast immer. Und dann kam Emily. Und ein kalter Entzug folgte. Mr. D. hat mich zwischenzeitlich sicher sehr gehasst. Aber ich hatte irgendwo gelesen, dass der Fernseher (die schnellen Bilder) bei den Babys Entwicklungsschäden hinterlässt.
Also gab es ab dem Zeitpunkt auch bei uns untertags keinen Fernseher mehr.
Noch heute ist es so, dass Mr. D sich richtig freut, wenn er nachmittags mal alleine zuhause ist…. aber das liegt sicher nicht nur daran, dass er dann mal in Ruhe fernsehen kann 🙂

Abgesehen von dem absoluten Fernsehverbot für uns, durfte Emily sehr wohl hin und wieder etwas sehen. Wir sind bei YouTube auf Kinderserien gestossen, die auch einen Lerngedanken haben – zb. die Farben, das Alphabet, die Tiere – what ever.
Apropo „What ever“ – also wenn Emily sowas schauen durfte, dann meist auch nur in Englisch – um noch mehr Gewinn daraus zu ziehen. Also so unsere Theorie.

Gut und dann sitzen wir in diesen Vortrag und das Ziel des Vortrages – uns eine Orientierung bezüglich des Konsums der elektronischen Medien zu geben – wurde nicht erreicht.
Also so auch nicht ganz richtig, denn ihre Ansage war in einem Nebensatz:
Kinder unter 3 Jahre sollten mit KEINEN elektronischen Medien in Kontakt kommen.
Kein Fernsehen, keine Fotos am Handy, keine Spiele am Tablet. Null!

Also, dass sich die Vortragende jetzt nicht hinstellt und sagt, setzt eure Kinder vor den Fernseher, war mir schon klar. Aber ich hatte mir Studienergebnisse erwartet, wie zum Beispiel: Kinder die bis zu xy Stunden in der Woche fernsehen, haben keine Schäden. Oder durchschnittlich schauen Kinder im Alter von XY  in Österreich XY Stunden fernsehen.
Vielleicht wollte ich auch einfach nur eine Zahl, schwarz auf weiß, die mir sagt, dass es nicht so schlimm ist, dass Emily hin und wieder fernsehen darf. Dass das Normal ist.

Aber ich nahm die Info der Nullkonsum-Empfehlung mal stillschweigend so zur Kenntnis, Mr D wollte es aber genauer wissen.
Da sprach er vor allen anderen einfach ganz ehrlich an, dass unser Kind sehr wohl „Bob den Zug“ (als Beispiel) schauen darf und unser größtes Problem ist, dass wir die Kleine nicht ohne Tobsuchtsanfall wieder vom Fernseher, Computer oder Handy wegbekommen. Eigentlich wollte Mr. D nur wissen, ob die Vortragende vielleicht einen Tipp hätte oder ob sie denkt, dass dieser Konsum irgendwelche schädlichen Folgen hätte.

Muss ich noch dazusagen, dass wir natürlich ab dem Zeitpunkt in den Augen der anderen die „Assi Eltern“ waren?  Wir lassen unseren Kind „Bob den Zug“ schauen.
Eh klar. Und abgesehen von den abwertenden Blicken mancher Anwesenden, hat uns wirklich geärgert, dass eine Mutter folgenden Ausspruch raushaute:
“ Also unser einziges Problem ist, dass meine Kleine nie vom Spielplatz gehen will. Aber wenn ich sage, Video aus, dann dreht sie das Video aus.“ Gratuliere zu diesem wunderbar gestörten Kind ohne Trotzphase – aber kannst du dich bitte nicht auf unsere Kosten besser fühlen!

Wir haben noch lange über den Vortrag nachgedacht, aber nun ist es für uns okay, dass unsere Größe hin und wieder fernsieht. Man kann sie – unseres Erachtens nach – nicht vollkommen davon fernhalten. Das fängst doch schon damit an, wenn man ein Foto macht und die Kinder das Foto sehen wollen.

Und Kinder wachsen mit den neuen Medien auf. Man kann es beschränken aber komplett darauf verzichten, dass schaffen wir einfach nicht.
Dass unser 1jähriger Schatz auf unserem Handy „wischen“ kann und das Telefon ans Ohr hält – bei sich und bei anderen – das ist leider so. Sie sieht es bei uns und bei unserer großen Tochter. Aber ich mach mich deswegen nicht mehr verrückt.

Und genau DAS haben die anderen Eltern aus dem Kindergarten wohl schon gewusst und die haben keinen Vortrag gebraucht, um zu wissen, dass kontrollierter Konsum vollkommen okay ist.

Alles Liebe, euer Fräulein Wien

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